Rockin’ Amish

29. November 2011 von Felix Zeltner

Amtrak-Stop in Grand Junction

52 Stunden und 4000 Kilometer in einem Zug zurückzulegen bedeutet, dass man seine Mitfahrenden ziemlich gut kennenlernt. Auf der Strecke von San Francisco nach Chicago, die durch die schönsten und die eintönigsten Landschaften der Vereinigten Staaten führt, begegne ich minderjährigen Drogendealern, spirituell abgedrifteten Krankenschwestern, jeder Menge Holzfällern und Hippies – und Danny Troyer.

Wir lernen uns im Speisewagen kennen. Die Essensrotation während des Trips ist so organisiert, dass allein Reisende jeden Tag zum Lunch und Abendessen bunt durcheinander gewürfelt werden. Ein Prinzip, das den meisten Menschen im Amtrak zugute kommt, denn sie wollen vor allem eins: Reden.

Trotz Aussicht: Reden ist vor Lesen und Essen die Hauptbeschäftigung während der 52-stündigen Reise

Als sich der kleine Mann mit dem eigenartigen langen Kinnbart mir gegenüber setzt, atme ich tief durch. Schon wieder so ein Freak, denke ich. Er grüßt höflich, und die dritte am Tisch, eine ökologisch bewegte Mittvierzigerin aus Palo Alto, übernimmt das Gespräch. Wir tauschen persönliche Geschichten aus, nach drei Tagen Zug-Dating ein routinierter Vorgang. Danny erzählt, er habe seinen Bruder besucht, der eine Farm in Colorado betreibt. Erst als das Gespräch auf Musik kommt und er behauptet, in seiner Heimat gebe es keine Musik, werden wir hellhörig. Dann sagt Danny das Wort: “Amisch.” Die Kalifornierin springt auf, ihre bunten Halsketteln rasseln: “Sie sind AMISCH? Nein, wie spannend!” Danny lächelt.

Es stellt sich heraus, dass Durchschnittsamerikaner so gut wie gar nichts über die rund 250.000 Amischen wissen, die in ihrem Land leben. Auch ich höre gebannt zu, als Danny von einer bibeltreuen Gemeinschaft ohne Autos, Telefon und elektrischen Strom erzählt. Die Amischen, die sich im 17. Jahrhundert von den Mennoniten abspalteten, haben deutsch-schweizerische Wurzeln. Als Danny ein paar Worte in seiner Sprache spricht, verstehe ich das meiste. Wir sitzen noch, als die anderen Passagiere längst gegangen sind und vor dem Fenster die Great Plains in der Nacht verschwinden. Danny ist begeistert von meiner Musikreise, er erzählt, dass er Rock’n'Roll liebt und zuhause sogar eine Gitarre habe, die er aber nur heimlich spielt. Er gibt mir seine Visitenkarte.

Achtung, Amisch: Schild an der Straße nach Shipshewana

Als ich einen Monat später, kurz vor meiner Abreise nach Deutschland, noch einmal nach Chicago komme, habe ich anderthalb Tage Zeit. Ich rufe Danny an, seine Geschichte hat mich die ganze Zeit nicht losgelassen. Er freut sich und hadert zugleich. Filmen ist nicht gern gesehen bei den Amisch, einzelne sollen sich nicht herausstellen. Er sagt zu, ruft nochmals an, sagt ab, als ich schon im Auto sitze. “Ich komme trotzdem”, sage ich. Er seufzt.

Drei Stunden später überhole ich auf der Landstraße eine Kutsche. Eine Kreuzung weiter fahre ich an einem Holzhaus vorbei, an dessen Veranda eine Frau mit weißer Haube und langem Kleid Wäsche aufhängt. Ich fühle mich wie im Freilichtmuseum. Danny und ich treffen uns am nächsten Morgen, Punkt 8 Uhr, in seiner Werkstatt - und schon am Mittag holt er die Gitarre raus.

Dies ist die vorerst letzte Geschichte der Tonspur.

Vielen Dank fürs Mitlesen und -schauen! Vielen Dank für über eine halbe Million Klicks, für 444 Fans auf Facebook, für einen Preis und eine Nominierung. Bald wird an dieser Stelle der Link zu meinem neuen Blog stehen. Bis dahin – auf Wiedersehen!

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“Eine tanzende Flamme”

30. September 2011 von Felix Zeltner

Ana “Rokafella” Garcia, 39, und Gabriel “Kwikstep” Dionisio, 42, gehören zu den bekanntesten Breakdancern der USA. Seit siebzehn Jahren sind sie ein Paar und treten gemeinsam auf – eine in der Szene einzigartige Kombination. Ob Musikvideos mit Mariah Carey und Will Smith, Werbespots für Levis, Broadway-Shows oder das erste Hip-Hop-Konzert in der Library of Congress, die beiden New Yorker mit puertoricanischen Wurzeln waren überall dabei.

Coole Schuhe, cooles Paar: Rokafella und Kwikstep im Sommer 2000 im Central Park und zehn Jahre später über den Dächern von New Jersey. (Fotos: privat)

Ich treffe die zwei Veteranen im Jugendzentrum The Door im New Yorker Stadtteil Tribeca, wo sie sozial benachteiligten Jugendlichen Unterricht im B-Boying geben, wie Breakdancen auch genannt wird. Filmen oder Fotografieren ist nicht erlaubt, den Kindern und Jugendlichen wird von “The Door” Anonymität gewährt. Also schaue ich zu, wie “Rokafella” und “Kwikstep” mit ihren Kids über den Boden wirbeln, manche davon fast so schnell wie der Meister selbst in seinen besten Jahren (Kwikstep 1996, zu sehen ab 1:15):

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Nach dem Kurs setzen wir uns zu dritt in einen puertoricanischen Bodybuilder-Imbiss nahe dem Hudson River. In den Regalen stehen Eimer mit Eiweißpräparaten, an den Wänden glänzen Fotos eingeölter Muskelberge. Rokafella und Kwikstep bestellen vegetarischen Burrito mit fettfreien Pommes.

Tonspur: Ihr seid ein Breakdance-Paar – oder wie nennt ihr euch?
Rokafella: Ein Mann-Frau-Team.
Kwikstep: Ein Hip-Hop-Paar.

Wie seid ihr euch begegnet?
R: Das war 1994, als unsere beiden Crews bei einem Straßenfestival hier in Manhattan auftraten und wir uns den selben Platz teilen mussten. Wir haben damals beide auf der Straße getanzt, aber ich war Teil einer Crew, er Teil einer anderen.
K: Crews auf der Straße sind Rivalen. Wenn eine Crew einen festen Platz hat, und eine andere will an der selben Stelle tanzen, muss sie mindestens genauso gut sein und das auch zeigen. Wir kamen also an, die besten von uns gingen in die Mitte und legten los. Ich war einer der Solotänzer, und ich war bekannt dafür, sauber und weich zu tanzen. Das hat Ana beeindruckt, glaube ich.

Sauber und weich?
R: Auf der Straße zu tanzen ist keine saubere Sache. Ich war immer voller Dreck. Meine Klamotten, meine Knie, meine Sneakers, alles. Bei ihm war das nicht so, er hatte eine spezielle Art, sich zu bewegen. Er fiel nie, rutschte nie. Ich fand ihn sehr attraktiv, wir konnten aber nicht wirklich flirten. Ich war mit einem aus meiner Crew zusammen, das wäre gegen die Regeln gewesen. Also haben wir uns einfach ein bisschen unterhalten. Er erklärte seine Idee von Hip-Hop, von der ganzen Kultur. Ich wusste bis dahin nicht mal, dass es einen Namen dafür gibt.
K: Als ich sie beim Breaken gesehen habe, kam sie mir vor wie eine tanzende Flamme, weißt du. Eine Flamme, von der ich mich wärmen lassen kann. Kein Feuer, an dem man sich verbrennt.

Wow.
K: Und ich wusste, dass diese Flamme einer ganzen Menge Leute einen Weg aufzeigen könnte. Ich wusste, sie hat eine Botschaft, wenn sie tanzt. Und sie hat den richtigen Körperbau dafür, die Arme, die Beine. Hip-Hop war meine erste Liebe, aber Ana wurde für mich die weibliche Version davon, das, was Hip-Hop in einer Frau sein soll. Das habe ich sofort gemerkt, aber ich musste ihren Freund respektieren. Bis wir uns wiedersahen, in der U-Bahn. Ich tanzte mit meiner Crew…

…in der U-Bahn?
K: Ja, auf dem Bahnsteig. Als ich von meinem Solo aufstand, stand sie plötzlich direkt vor mir. Und ich dachte, ok (klatscht in die Hände), jetzt will ich doch mal sehen, was geht. “Hey, wie gehts? Was macht Robert?” So hieß ihr Ex-Freund, er möge in Frieden ruhen. “Ich bin nicht mehr mit ihm zusammen”, hat sie gesagt, und ich… (ballt die Faust)
R: (lacht)
K:
Die Company, bei der ich zu dieser Zeit arbeitete, hatte zufällig an diesem Tag ein Casting. Sie suchten nach einer Tänzerin. Ich wusste, Ana war perfekt dafür, aber sie wollte nicht. “Ich muss erst nach Hause, ich bin falsch angezogen, ich hab meine Sneakers nicht dabei…” “Wir müssen dahin, jetzt!”, habe ich gesagt. Sie hat das Casting dann barfuß gemacht – und gewonnen. Von da an waren wir zusammen unterwegs.

Breakdance ist seit jeher männerdominiert – gelten Frauen da nicht automatisch als die Schwächeren?
K: Die Crew, in der ich mit Ana war, wollte eine weibliche Hip-Hopperin. Trotzdem hatten sie eben genau diese Auffassung. Sie verstanden nicht, warum ich so sehr an Ana glaubte, und je mehr Zeit ich in sie investierte, desto unsicherer wurden die Jungs. Ana hat das nur noch stärker gemacht.
R: Sie haben Frauen, die breaken, generell misstraut und immer nur einfache Choreographien tanzen lassen, aber ich wollte freestylen, ich wollte den Tanz wirklich beherrschen. Inzwischen ist Breakdance im Mainstream angekommen und es gibt viele B-Girls, damals war ich fast die Einzige.

Trailer zu “All the Ladies Say” – Ana “Rokafella” Garcias Dokumentarfilm über weibliche Breakdancer
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Heute habt ihr eure eigene Tanz-Company – was kosten Rokafella und Kwikstep für einen Abend?
R: 10.000 Dollar für eine Stunde volles Programm. Theater, Spoken Word, Tanz, Videokunst. Das Geld ist nicht für uns alleine, sondern auch für Licht, Bühnenbild und Sound, wir sind insgesamt zu fünft. Einen Teil davon kassieren wir vorher, um die Choreographie zu entwickeln, Proberäume anzumieten und so weiter. Unsere gesamte Company besteht aber aus 21 Musikern und Tänzern.

Rokafella, Kwikstep und ihre Company “Full Circle Productions” beim Alternate Routes Festival, Juni 2011
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Leben und Beruf teilen – wie macht ihr das?
K: Man muss trennen können. Kwikstep oder Rokafella, das ist unser Alter Ego,…
R:…das ist unser Job.
K: Und an diesem Alter Ego hängt das eigene Ego, das man braucht, um zu unterrichten, um klarzumachen, warum man diesen Namen in der Branche trägt. Aber zuhause sind wir Gabriel und Ana. Der Umhang und die Stiefel werden ausgezogen, und wir haben ein Mann-Frau-Ding am Laufen. Das muss man auch pflegen. Wir kümmern uns um die Kids, die Community, und wenn wir mal mit unserer Beziehung am Rande waren, war die Community für uns da und hat uns Zeit gegeben. Wir waren mehrmals voneinander getrennt und haben nachgedacht: Ist es das? Ist das wirklich die Eine, der Eine, mit dem ich weitermachen will? In jeder Beziehung kommt es irgendwann zu dieser Entscheidung.

Bist du nicht eifersüchtig? Immerhin ist Ana eine einmalige Erscheinung in eurer Szene.
K: Natürlich frage ich sie manchmal: “Hey, der Typ schaut dich immer so an – hat er dich angemacht? Ist er zu weit gegangen?” Aber weiter geht meine Eifersucht nicht. Ich werde sie nicht in einen Käfig sperren, nur weil sie mal rumfliegt. Aber ich behalte sie im Auge. Plus: Diese Frau ist sehr hitzig. Du kannst gern versuchen, mit ihr fertig zu werden, aber da braucht’s eine Menge Arbeit. Dasselbe gilt auch für mich. Ich bin kein einfacher Typ.
R: Yeah.

War eure eigene Kindheit auch so schwierig wie die der Kinder von “The Door”?
R: Wir sind dauernd umgezogen, von einem Viertel ins andere, ich musste immer wieder meine Freunde aufgeben, und am Schluss sind wir in der Bronx gelandet. Aber im Vergleich zu Kwikstep hatte ich es leicht.
K: Meine Mutter war heroinsüchtig, ich wurde ihr weggenommen und in Pflegefamilien untergebracht. Ich wurde immer weitergereicht, von Familie zu Familie, von Wohnblock zu Wohnblock. Ich habe verschiedene Arten von Gewalt mitbekommen, viele Drogen. Aber das Schicksal meiner Mutter hat mich immer von Drogen weggehalten. In den Ghettos funktionieren Drogen als Bindemittel zwischen den Menschen. Gras rauchen, Heroin spritzen, Angel Dust rauchen – auf diese Weise entfliehen die Leute gemeinsam der Realität. Ich wollte auch flüchten, aber nicht so. Bei den coolen Leuten war ich deshalb unbeliebt. Solange ich tanzte, war es einigermaßen cool, in meiner Nähe zu sein, aber sobald ich aufhörte, war es wieder uncool, weil ich keine Drogen nahm. Daher kommt auch mein Name “Kwikstep”. Ich bin Stress immer aus dem Weg gegangen – und beim Breaken hatte ich eine sehr schnelle Beinarbeit.

Und woher stammt dein Name “Rokafella”?
R: Breakdancen auf der Straße ist illegal, ich hatte ständig Stress mit Polizisten, die uns vertrieben, und Geldstrafen aufbrummten, sogar einsperrten. Zu einem habe ich dann gesagt, ob er überhaupt wüsste, wer ich bin, ich könnte schließlich genauso gut eine Rockefeller sein. Ab diesem Tag nannte dieser Polizist mich so, und ich behielt den Spitznamen.

Kwikstep, du tanzt seit den Achtzigern, Rokafella seit Anfang der Neunziger – für Breaker seid ihr schon ziemlich alte Säcke, oder?
K: Wir sind keine alten Säcke. Es ist wie beim Kung Fu. Während die jungen Typen zwanzig Bewegungen machen, macht der Altmeister fünf. Aus Finesse. Weil er schon weiß, wie er seine Energie spart, um mit diesen fünf Bewegungen ans Ziel zu kommen. Bei jedem erfahrenen Tänzer, der alt ist und noch gesund, siehst du seine ganze Geschichte in nur einer Bewegung. So ist das beim Breakdancen auch. Wir drehen uns auch auf dem Kopf, aber unsere Erfahrung siehst du, wenn wir uns Stück für Stück über den Boden bewegen.

Seid ihr versichert?
K: Wir glauben nicht an Versicherungen, sondern an Homöopathie, Akupunktur, Chiropraktiker und Masseure.
R: Wenn ich das Gefühl habe, mein Ellbogen wird steif, gehe ich zur Akupunktur, 50 Dollar, fertig. Da brauche ich nicht monatlich in eine Versicherung einzahlen. Wir vertrauen dem Schicksal und der Tatsache, dass wir nicht von Null auf Hundert gestartet sind, sondern uns jede Stufe hart erarbeitet haben. Das minimiert das Verletzungsrisiko. Wenn du als Anfänger einen Headspin machst, wirst du dich verletzen, garantiert.

Kwikstep zeigt sein Markenzeichen, den Headspin, während einer Preisrichter-Show 2010 in Korea
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Gibt es ein Haltbarkeitsdatum für Breakdancer?
R: Also mit 70 möchte ich mich nicht mehr auf dem Rücken drehen. Aber ich möchte irgendwas machen. Wenn du nicht trinkst, nicht rauchst und dich nicht mit Leuten umgibst, die schlecht essen, hast du eine Chance.
K: In Amerika ist Alter leider ein Problem. Sobald du ein bestimmtes Alter überschritten hast, stecken dich die Leute in eine Schublade und sagen, du solltest was anderes machen.
R: Yeah, mein Alter wird inzwischen gegen mich verwendet. Ich werde von Castings ausgeladen, Kooperationen werden abgeblockt. “Ich habt mich noch nicht gesehen”, muss ich dann immer sagen, “ihr habt meinen Mann noch nicht gesehen, meine Schüler, ich kann euch so viele gute Leute bringen, mein Netzwerk ist riesig. Und ihr macht die Tür zu, nur weil ich 39 bin?”
K: Wenn ich gefragt werde, wie alt ich bin, frage ich zurück: Wie alt sehe ich denn aus? Wenn die Antwort 32 ist, dann bin ich eben 32.
R: Und ich 27.
K: Im Sommer sehen wir sogar noch jünger aus. (lacht) Ich mag 42 sein, aber wenn ich tanze, sehe ich aus wie 24.

"Im Sommer sehen wir sogar noch jünger aus": Rokafella, 39, und Kwikstep, 42

Zum Weiterlesen: Eine kleine Kulturgeschichte des Breakdance (Quelle: 3sat)
Zum Moven und Shaken: Full Circle feat. Rokafella – Can We Get Down?

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Grünsonntag

15. August 2011 von Felix Zeltner

They’ve got catfish on the table
They’ve got gospel in the air
And Reverend Green be glad to see you
When you haven’t got a prayer
But boy you got a prayer in Memphis.

Walking in Memphis, der Song von Marc Cohn, ist inzwischen zwanzig Jahre alt, aber den Pfarrer, den er besingt, gibt es immer noch: Albert “Al” “The Reverend” Green, mit zwanzig Millionen verkauften Aufnahmen einer der erfolgreichsten Soulsänger aller Zeiten. Ein predigender Star, der außerhalb seiner Kirche nur noch selten auftritt. Das von ihm gegründete Full Gospel Tabernacle liegt in einem unscheinbaren Vorort von Memphis, nicht weit von Elvis Presleys Villa Graceland. Zur Sonntagsmesse sei er eigentlich immer da, sagt seine Schwägerin Jessie Green am Telefon. Filmaufnahmen, ein Interview? Wird schon werden, sagt sie. Ich fahre hin.

787 Hope Street, Memphis, Tennessee: spirituelle Heimat eines Soulstars

11.30 Uhr
Die Kirche füllt sich. Etwa 150 Jünger sind da, die Hälfte davon Touristen. Er sei wieder auf dem Weg nach Hause, raunt mir Jessie Green, eine gedrungene Asiatin, am Hintereingang zu. Sie ist etwas schwerhörig, auf meine Nachfrage reagiert sie nicht.

11.35 Uhr
Es muss ohne den Reverend losgehen. Jessie stellt sich in die Mitte der Kirche und erhebt ihre Stimme, gigantische Lautsprecher tragen den Gospel durch den hohen Raum. Die Eingeweihten singen mit, die Touristen lauern auf den Kirchenbänken wie Fans beim Auftritt der Vorgruppe. Mir fällt ein großes Ölgemälde auf, es zeigt Jesus, der auf eine bunte Skyline hinunterschwebt, in die gerade ein Flugzeug fliegt. Im Vordergrund stoßen zwei Autos auf dem Highway zusammen.

12.20 Uhr
Am Kirchenfenster gleitet ein weißer Mercedes SLK vorbei. Kurz darauf öffnet sich eine kleine Tür am Rand der Bühne, eine mächtige Gestalt im rot-weißen Talar erscheint, das Haar pechschwarz, die Gesichtshaut faltenfrei. Keine Spur von 65 Jahren. Al Green grinst kurz in den Zuschauerraum, dann lässt er er sich, immer noch grinsend, in einen ledernen Ohrensessel fallen. Vereinzelte Jubelschreie mischen sich in den Gospel.

Albert “Al” Green wird Anfang der Siebziger mit Balladen über Liebe und Sex zum Star. 1974 lehnt er den Heiratsantrag seiner damaligen Freundin Mary ab, aus Rache übergießt sie ihn im Schlaf mit heißem Grießbrei. Der damals 28-jährige Green erleidet schwere Verbrennungen. Als er aus dem Krankenhaus zurückkommt, findet er einen Abschiedsbrief – und die Leiche seiner Freundin.

Von dem tragischen Erlebnis geprägt, wendet sich Green dem Glauben zu und gründet sein Gospel-Tabernakel, tourt aber weiter als Star des Soul und R&B durch die Welt. Erst als er 1979 bei einem Auftritt von der Bühne stürzt, schließt er mit dem Musikerleben ab und zieht sich ganz in seine neue Rolle als Reverend zurück – und in die Musik, die er als Kind im Gospelchor seines Vaters lernte.

Green als Newcomer in den Siebzigern - und bei einem seiner letzten Konzerte, 2006 in Kalifornien (Fotos: last.fm, Dwight McCann/Chumash Casino Resort/www.DwightMcCann.com)

12.25 Uhr
Green steht auf und tritt an die Kanzel, mit einer Handbewegung lässt er den Gospel verstummen. “Entschuldigung, dass ich zu spät bin. Ich hatte die Bibel zuhause vergessen.” Gelächter, Applaus. Er hebt das rote Buch in die Höhe, an seiner Hand funkeln Goldringe. “Hätte ich etwa ohne kommen sollen?” Er nutzt die No! No!-Rufe als Übergang zu einer Art Predigt, halbbiblische Phrasen über die Liebe zu Gott, er spricht sie beschwörend, immer lauter, immer im Dialog mit der Gemeinde. Repeat after me! Somebody say Amen! Say Hallelujah! Die Hilfspfarrer des Tabernakels hocken hinter ihm wie Hühner auf der Stange, unter ihnen ein besonders penetranter Karrierist, der papageienartig mit lauter Stimme die Worte seines Chefs bestätigt. Yes it is! That’s it!

Rechts von der Kanzel sitzen Jünger an Hammondorgel, Schlagzeug, Bass und Gitarre, sie ahmen Greens Worte mit Klängen nach und steuern die Masse der Gläubigen, lassen sie anschwellen zu einem gewaltigen Gebrause. Praise the Lord! Die Stimme des Reverend hat selbst im Brüllen noch etwas weiches, karamellartiges, man kommt nicht von ihr los. Hinter mir schwankt eine weiß gekleidete, korpulente Frau, stöhnend wirft sie ihren Oberkörper vor und zurück, Yes Sir, Yes Sir! Eine andere kommt ihr zuvor, in der hintersten Reihe geht sie zu Boden, zitternd, im Sonntagskleid. Ein Messdiener hilft ihr auf und fächelt Luft zu.

12.50 Uhr
Die Schwägerin schwebt durch den Bühneingang hinaus, ich folge ihr. Green ist gerade 65 geworden, sein Erfolgsproduzent ist gestorben, es gäbe viele Fragen. Aber sie schüttelt den Kopf. Er wolle den Journalist aus Germany nicht sprechen, sorry. Wieder ignoriert sie meine Nachfrage. Wütend kehre ich zurück in die Hinterbank, er wogt da vorne hin und her, die Hände mit den Goldringen in die Luft gereckt. Einmal fällt er kurz ins Falsett, sein Markenzeichen. Er kneift die Augen zusammen, und für einen Moment ist sie wieder da, die Magie des Al Green. Seine Auftritte waren schon früher wie Gottesdienste – zum Beispiel im New Yorker Apollo Theatre, wo er 1993 anlässlich eines Hall-of-Fame-Konzerts seinen Welthit “Let’s Stay Together” performte:

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Ich überlege, einfach loszufilmen, da steht in der Mitte der Kirche ein Mann im Hawaiihemd auf und hebt seine Videokamera. Ein wütendes Grollen fährt von der Kanzel auf ihn nieder. “Hey, Mr. Germany!” knurrt Al Green und droht mit dem Zeigefinger. “Don’t steal pictures!” Das Gesicht des Besuchers verfärbt sich dunkel, er sinkt auf seinen Platz zurück. Auch ich werde rot. Er hat uns verwechselt. In der hintersten Reihe filmt eine Frau mit ihrem Handy, unbemerkt. Ich steale auch ein paar pictures, die Kamera halb unter der Bank.

13.00 Uhr
Mitten im Gebet springt die erste Reihe auf und ruft wild durcheinander. Ein Junge schlägt mit der flachen Hand zu, auf der Kirchenbank stirbt eine Kakerlake.

13.30 Uhr
Es kommt zur Aussöhnung mit Germany. Reverend Green fragt die Touristen, also alle anwesenden Weißen, woher sie kommen:

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

13.50 Uhr
“Wer braucht eine Berührung des Herrn?” fragt der Reverend. Die Gemeinde reiht sich vor der Kanzel auf, es sind vor allem Frauen mittleren Alters, die sich schick gemacht haben für die Messe, oder nur für ihn. “Ob all die Mädchen, mit denen ich etwas hatte, in meine Kirche passen würden?” fragte er sich einst in einem stern-Interview selbst. “Ich bezweifle es.” Der Reverend betupft jede Stirn mit Weihwasser, legt seine große Handfläche auf, währenddessen singt, schreit, betet er für sie, und die Besucher warten auf die nächste Ohmacht. “Thank you Lord, Thank you Lord”, seufzt eine Frau, immer wieder, hundert Mal, zweihundert Mal, bis ihr Körper unter der Hand des Reverend beginnt zu zittern. Sie hebt die Hände, hyperventiliert und kippt nach hinten um.

Der Messdiener fängt die Willenlose sanft auf und legt sie vor der Kanzel auf den Boden. Er nimmt ein weißes Leintuch und deckt sie zu. Wegen der Körperwärme, erklärt er mir später. Die Frau bleibt einfach liegen, die Hände zum Himmel gereckt. Nach einer Minute kommt sie wieder zu sich, zitternd und schluchzend. Sie steht auf und torkelt zu ihrem Platz.

Fast alle Frauen weinen und gehen gebückt davon, wenn Reverend Green mit ihnen fertig ist. Auch seine Schwägerin Jessie. ”An jedem Sonntag ist die Kirche voll”, sagte der Prediger dem stern. “Ich trete von der Kanzel, da sprechen sie mich schon an. Junge, alte, hübsche, hässliche Frauen. Sie sind scharf auf mich. Aber in über 20 Jahren bin ich nie schwach geworden.”

Hand auf der Verwandten: Reverend Al und Jessie Green

15.00 Uhr
Nach gut 50 Handauflegungen, fünf Schreikrämpfen, zwei Ohnmachtsanfällen und dem Einsammeln der Kollekte ist die Vorstellung eigentlich zu Ende, die meisten Touristen sind längst gegangen. Doch die letzte Jüngerin, eine übergewichtige Frau in T-Shirt und Shorts, will nicht gehen. Sie fordert das Mikro und stellt sich als Sharon Smith vor.

Seit 1995 sei sie Mitglied der Gemeinde, die letzten Jahre habe sie im Gefängnis verbracht, sie habe kein Geld und keine Familie mehr und brauche dringend Hilfe. Aber das Full Gospel Tabernacle wolle sie nicht. Miss Green – die schwerhörige Jessie ist gemeint – habe sie am Telefon immer abgewimmelt, sei arrogant und unfreundlich gewesen. Sharon bleibt lange da vorne stehen, unter ihrer Sonnenbrille fließen Tränen.

And Reverend Green be glad to see you /
When you haven’t got a prayer.

Er hat alles aus dem Augenwinkel beobachtet und weiter halblaut Glückwünsche und Segnungen verteilt. “I’ll take your call”, sagt er kurz, ich werde ihren Anruf entgegennehmen. Sharon weint, geht ab. Der Reverend stimmt “Amazing Grace” an. Die rote Bibel hat er kein einziges Mal aufgeschlagen.

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Die Aussichten: Wolkig

23. Juni 2011 von Felix Zeltner
Brutstätte für Start-Ups: In San Francisco und Umgebung entstehen die meisten zukunftsträchtigen Cloud-Services

Brutstätte für Start-Ups: In San Francisco und Umgebung entstehen die meisten neuen Cloud-Services

Seit einigen Monaten scheint es, als hätte die Musikbranche in den USA eine neue Zauberformel gefunden, um sich endlich mit dem Internet zu versöhnen: Cloud-Based Music. Die Musikdateien liegen nicht mehr auf privaten Rechnern, sondern auf Serverfarmen, und werden von dort in Echtzeit auf den Laptop oder das Handy gestreamed. Der Kunde zahlt einen monatlichen Betrag und erhält dafür Zugriff auf Millionen von Songs, die er beliebig zusammenstellen und mit seinen Freunden teilen kann.

Die Idee, die erst durch die mobile Revolution der vergangenen zwei Jahre interessant wurde, hat einen Boom an Firmengründungen ausgelöst. Zahlreiche kleine Anbieter konkurrieren mit den Firmengiganten Apple, Amazon, Sony und Google um die Macht in der Wolke. Aber ist Cloud-Based Music wirklich die Zukunft des Musikkonsums? Tonspur hat fünf Menschen zwischen Ost- und Westküste gefragt, die es wissen könnten.

1. Anthony Volodkin

Vor sechs Jahren hat Anthony The Hype Machine gegründet, damals war er 19 Jahre alt und gerade mit der Schule fertig. Inzwischen besuchen jeden Monat zwei Millionen Leute seine Seite, um sich ganz legal mit der neuesten Musik zu versorgen. The Hype Machine wertet täglich über 800 Musikblogs aus und sucht für jeden Geschmack die dort geposteten Songs zusammen, entweder als Stream oder zum Download. Möglich wird das durch die Macht der Blogs: “Blogger bekomen jeden Tag hunderte von Emails mit Musik, die sie posten sollen und die dann schließlich bei uns landet”, sagt Anthony. “Blogs, die volle Alben posten oder unreleaste Songs online stellen, löschen wir von unserer Liste.” Der mittlerweile 25-jährige Unternehmer lebt von den Werbeanzeigen auf der Seite und von einem Provisionsvertrag mit iTunes. Er wohnt mit einem Freund in einem Penthouse in Brooklyn, bezahlt fünf Angestellte und arbeitet gerade an einer iPhone-App, mit der man die Hype Machine überall mit hinnehmen kann.

Über den Dächern von Brooklyn: Anthony Volodkin

Büro mit Blick auf die Skyline von Manhattan: Anthony Volodkin

“Es wird in Zukunft noch mehr Musik produziert werden als heutzutage, und das Musikhören wird in einer Weise social oder kooperativ, die wir uns heute noch nicht vorstellen können. Ich höre etwas, und eine Menge Leute, die mich kennen, erfahren in derselben Sekunde davon, was ich gerade höre. Parallel dazu werden aber auch viel mehr Menschen Medien produzieren. Es wird also insgesamt chaotischer. Hinzu kommt: Wenn du über dein Abo Zugang zu 12 Millionen Songs hast, weißt du noch lange nicht, welche davon du eigentlich hören willst. Cloud-Dienste müssen die Leute also etwas finden lassen, von dem sie gar nicht wussten, das sie es wollen. Herauszufinden, wie das funktionieren könnte, ist die größte Herausforderung für uns.”

www.hypem.com

www.hypem.com

2. Mister X

folge21Mister X ist 29 und arbeitet in der Marketingabteilung eines der vier größten Musiklabels der Welt. Sein Büro ist in New York, von hier aus sucht er nach neuen Wegen, Aufmerksamkeit für seine Künstler zu generieren – häufig gegen Widerstände im eigenen Haus. “Es gibt hier immer noch genügend Leute, die nach dem Auschaltknopf für das Internet suchen.” Seine Identität möchte er deshalb für sich behalten.

“Zwar reden hier viel zu viele immer noch über die gute alte Zeit, aber meine Chefs sind von den Cloud-Angeboten sehr angetan. Ich weiß leider nicht, ob wir wirklich genügend Geld damit machen können, um uns völlig darauf zu konzentrieren. Wenn morgen iTunes abgeschaltet würde und der CD-Verkauf in den USA gestoppt würde, und alle Leute würden nur noch die Cloud nutzen, müssten wir als Label immer noch um unseren Marktanteil kämpfen. Wir sind immer noch abhängig vom Besitz von Musik, und von einigen wenigen großen Namen, die die vielen kleinen mitfinanzieren.”

www.rdio.com

www.rdio.com

3. Malthe Sigurdsson

Der gebürtige Däne lebt seit kurzem in Francisco und ist für das Aussehen von Rdio zuständig, dem derzeit jüngsten Cloud-Based Musikdienst in den USA. Hinter Rdio, sprich Ar-di-o, einem Wortmix aus Radio und Audio, stecken der Gründer von Skype, Niklas Zennström, und Janus Friis, der mit KaZaA den ersten Musiktauschdienst erfand. Malthe arbeitet mit dreißig anderen Rdio-Soldaten in einem Loft in Downtown San Francisco. Die Apple-Rechner stehen eng nebeinander, Trennwände gibt es keine. Die einzige Ablenkung verspricht eine Tischtennisplatte. Wie viele User das vor einem Jahr gestartete Rdio benutzen und die monatliche Gebühr von 10 Dollar für die Nutzung von bislang knapp 8 Millionen Songs bezahlen, verrät er nicht. Die Konkurrenz unter den Cloud-Anbietern ist groß, keiner will sich eine Blöße geben.

Wächter über das Rdio-Loft: Malthe Sigurdsson

Wächter über das Rdio-Loft: Malthe Sigurdsson

“Ich glaube nicht, dass eine zweite iPod-artige Revolution bevorsteht. Ich glaube, wir wissen schlichtweg nicht, wie wir in zehn Jahren Musik hören werden. Aber die Cloud zeigt einen Weg auf. Der Schwerpunkt liegt auf dem gemeinsamen Erleben von Musik und dem einfachen Zugang dazu. Auf welcher Plattform das dann endgültig stattinden wird, da bin ich nicht sicher. Ich bin jetzt Amerikaner, also habe ich ein Auto. Und ich liebe es, Musik im Auto zu hören. Wir versuchen, Rdio auch für Autoradios zu entwickeln. Parallel dazu arbeiten wir an Rdio für Mac- und Windows-Browser, für alle gängigen Smartphones – iPhone, Android, Windows Phone 7, Blackberry -, für Sonar, eine internetgesteuerte Stereoanlage, für Roku, einen TV-Internetservice, der auch Musik spielen kann, und so weiter! Es ist eine riesige Arbeit, alle Plattformen zu beliefern, von Korrekturen und Updates ganz zu schweigen.”

Der tägliche Kampf um die Wolke: David und Malthe arbeiten nur wenige Häuserblocks voneinander entfernt

Der tägliche Kampf um die Wolke: David und Malthe arbeiten nur wenige Häuserblocks voneinander entfernt

4. David Krinsky

Ein paar Straßenecken weiter, wieder ein Loft, aber mit größeren Fenstern und schönerer Aussicht. Es gibt Schreibtische mit Trennwänden, einen Musikraum und eine große Küche. Rhapsody, der älteste Cloud Service in den USA, existiert bereits seit 2001 und verfügt über mehr Geld als die Konkurrenz. Nachbarn im Haus sind die Redaktion des Magazins Wired und das Team von Wikia, besser bekannt als Host der Doktorarbeits-Prüfprojekte GuttenPlag und VroniPlag. David Krinsky ist bei Rhapsody verantwortlich für die Lizenzierung, dem kritischsten Part jedes Cloud-Music-Anbieters. Er muss aushandeln, wie viel sein Arbeitgeber für die Nutzungsrechte der Millionen von Songs bezahlt, die Label-Riesen wie Warner oder EMI besitzen. Einzelheiten darf er – natürlich – nicht verraten.

Vor dem Firmen-Graffiti: Rhapsody-Manager David Krinsky

Vor dem Firmen-Graffiti: Rhapsody-Manager David Krinsky

“Wir haben jahrelang durchgehalten und ziemlich viele Stürme überstanden, und dass jetzt die ganzen anderen Firmen in unseren Markt einsteigen, zeigt die Richtung an. Mit einer dreiviertel Million zahlenden Abonnenten liegen wir auf Platz Eins der Cloud Services. Hinzu kommt, das sich Künstler wie John Lennon, die Beastie Boys oder die Dave Matthews Band jahrelang geweigert haben, bei uns mitzumachen. Inzwischen haben sie alle unterschrieben, und einige Musiker verdienen richtig Geld mit uns. Wenn ich daran denke, wie unser Angebot war, bevor es das mobile Internet gab, kommt mir das vor wie die alte Welt, obwohl wir erst seit anderthalb Jahren damit arbeiten. Es ist blitzschnell passiert, alles im selben Moment.

Endgültig alte Welt? Firmenzentrale...

Endgültig alte Welt? Firmenzentrale...

...und Werbung im Schaufenster bei Amoeba Music in Berkeley

...und Werbung im Schaufenster von Amoeba Music in Berkeley

5. Marc Weinstein

Er ist das Urgestein der analogen Musikwelt: Vor einundzwanzig Jahren gründete Marc Weinstein in der Hippie-Uni-Stadt Berkeley einen Handel für neue und gebrauchte Platten. Er nannte ihn Amoeba Music, “eine Mischung aus Wissenschaft und LSD”. 2011 unterhält Amoeba Filialen in Berkeley, San Francisco und Los Angeles, wobei letztere als größter Plattenladen der Welt gilt.

Der Hüter des Plattengrals: Marc Weinstein

Der Hüter des Plattengrals: Marc Weinstein

“Mich erinnert die Cloud und dieses ganze Bequemlichkeitszeug an amerikanische Zeitschriften aus den Sechzigern, mit der Hausfrau, die ihren neuen Herd herzeigt und sagt: “Schauen Sie, wie viel einfacher er sein kann zu kochen! Denken Sie auch an ihren Gatten!” Das ist der Anfang vom Ende dieser Kultur, alles nur der Bequemlichkeit halber zu machen. So sind wir beim Dosen- und Tiefkühlfraß gelandet. Alles ist weiterverarbeitet. Musik ist so weiterverarbeitet, so sehr von der Live-Erfahrung entfernt, dass die Leute völlig den Bezug dazu verloren haben. Dosenfraß oder frisches Gemüse, das ist der Unterschied zwischen mp3 und Live-Musik oder Vinyl. Trotzdem versuchen wir, mitzuhalten. Wir digitalisieren wie die Verückten und entwickeln gerade ein komplett neues Web-Portal für Bands. Wahrscheinlich wird die Cloud gewinnen.”

Für alle, die in die Wolke eintauchen möchten, hier weitere neue Musikerlebnisse im Überblick:

- www.pandora.com: weltweit führendes, personalisiertes Internetradio mit über 60 Millionen Usern

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“Ist das das Ende der Welt?”

04. Juni 2011 von Felix Zeltner

Eine Begegnung mit Richard Morse – Musiker, Hotelier, Voodoo-Priester und Cousin des neuen Präsidenten von Haiti

Symbolfigur Haitis: Richard Morse

Beim Konzert der haitianischen Band Djakout während des Jazz & Heritage Festivals in New Orleans steht ein schwarz gekleideter Hüne in der ersten Reihe. Unter seinem Hut ragt ein langer grauer Zopf hervor, er trägt Jackett und Jeans bei 33 Grad im Schatten, sein Hemd ist bis oben zugeknöpft. Ein Mann in Hawaiihemd und Shorts tippt ihn von hinten an: “Ist ihnen nicht heiß?” “Haben Sie einen Sonnenbrand?” fragt der Hüne zurück. “Ja, natürlich!” “Sehen Sie, ich nicht”, sagt er und dreht sich wieder um.

Typisch Richard Morse. Er ist ein Sonderling. Halb Puertoricaner, halb Haitianer, in den USA aufgewachsen und seit 1985 Eigentümer des Hotel Olofsson in Port au Prince. Jeden Donnerstag tritt der studierte Anthropologe dort mit seiner Band RAM (der Name steht für Richard Auguste Morse) auf und spielt eine Art Voodoo-Pop mit politischen Texten in Kreyól, Französisch und Englisch.

RAM live im Hotel Olofsson

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Von Anfang an sang Morse gegen die Regierung an, die wöchentliche Jam-Session in seinem Hotel geriet zum Versammlungsort Andersdenkender. Er und seine Frau Lunise, Leadsängerin der Band, wurden zensiert, mit dem Tod bedroht und einmal sogar beinahe umgebracht, als ein manipulierter Karnevalswagen mit der Band unkontrolliert in die feiernde Menge raste.

Michel Martelly und Richard Morse im Wahlkampf (Foto: Karl Jean-Jeune, www.martelly2010.com)

Weltweit bekannt wurde Morse, als er als einer der Ersten und Einzigen unmittelbar über das Erdbeben twitterte (@RAMhaiti) und schließlich regelmäßig für die Huffington Post berichtete. Vor einem Monat wurde der Musiker Michel Martelly, zum neuen Präsident Haitis gewählt. Mit im Wahlkampfteam: Sein Cousin Richard Morse.

Als ich ihm für meinen Bericht über die haitianische Seite des Jazz Festivals vorgestellt werde, beachtet er mich nicht weiter. Er schaut sich das Konzert an. Danach fragt er, ob ich ihn begleiten möchte. Erst hat er mit Frau und Trommlern einen Auftritt im “Family Kids Tent”, danach fahren wir durchs nächtliche New Orleans zum Hotel der Band. Richard Morse setzt sich in die Lobby, er hat eine halbe Stunde Zeit bis zur Bandprobe.

Kinderquatsch mit Richard: RAM-Show im Kinderzelt des Jazzfestivals

Tonspur: Sie kommen gerade aus Washington, wo Sie mit ihrem Cousin US-Außenministerin Hillary Clinton besucht haben. Sind Sie jetzt Politiker?
Richard Morse: Ich bin momentan Berater. Ich war Teil des Wahlkampfteams, habe die Kampagne die ganze Zeit über begleitet.

Hat er Sie darum gebeten oder Sie ihn?
Mehrere Kandidaten hatten mich um Hilfe gebeten, aber ich habe mir Michel ausgesucht. Die Tatsache, dass wir verwandt sind, dass unsere Mütter Geschwister sind, machte es natürlich besonders. Wir hatten die vergangenen 15, 20 Jahre nie viel Kontakt. So konnte ich ihn täglich sehen und seine Kinder kennenlernen.

Was war der Inhalt der Kampagne?
Pass auf deine Stimme auf. Denn sie werden versuchen, sie dir zu stehlen. Was sie auch versucht haben. Diese Nachricht hat uns auf die Seite der Menschen gestellt. Und wir haben Bildung für Kinder verlangt, frei zugängliche Bildung.

Und die Kampagne war auf Musik ausgerichtet, oder?
Es war unglaublich. Das Team bestand aus Michel Martelly, Musiker, mir, Musiker, Wyclef Jean, Musiker, Shabba, Musiker und einem Radiomoderator. Wir alle haben gesprochen und unsere Reden mit einem oder zwei Songs abgeschlossen. Die Leute stimmten mit ein, das war wirklch speziell. Wir waren diese Art von Team, zu dem man gehören will. (lacht)

Wahlkampf mit Musik – Michel Martelly in Jérémie, einer Küstenstadt im Südwesten Haitis

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Was war ihr erster Ratschlag als Präsidenten-Berater?
Hör auf, Französisch zu sprechen.

Wird er das machen?
Ich hoffe es. Denn Haitianer verstehen Kreyól. Wenn er will, dass die, die ihn gewählt haben, verstehen, sollte er auf Kreyól zu ihnen sprechen.

Hat er das während des Wahlkampfes gemacht?
Hundert Prozent.

Auch Hip-Hop-Superstar Wyclef Jean?
Alle aus dem Team.

Warum hat Jean überhaupt mitgemacht, er wollte doch eigentlich selbst Präsident werden?
Er war wütend auf Préval.

Wie ist er so?
Wir haben uns nie gemocht, aber es scheint, als würden wir jetzt klarkommen. Die Kampagne hat uns zu Freunden gemacht.

Wyclef Jean und Richard Morse bei der Vereidigung des Präsidenten am 14. Mai (Quelle: www.urbanmusic2000.com)

Wie kommt’s, dass Sie so ein politischer Künstler geworden sind?
Ich hatte immer Träume von der Revolution. Ich bin ein Kind der Sechziger. Aber Haiti hat mich gezwungen, dem Schrecken ins Auge zu schauen, denn er kam in mein Hotel. Drei Wochen, nachdem ich 1987 eröffnet hatte, fanden Wahlen statt, es kam zu einem Massaker, Journalisten wurden getötet. Ich hatte Journalisten in meinem Hotel. Das bedeutete also, es könnte jemand kommen und meine Gäste umlegen. Das bringt dich mitten rein in die Diskussion, in den Kampf. Damals musste ich eine Entscheidung treffen.

Sie haben eine Waffe gekauft?
Nein, ich habe nie eine Waffe besessen. Ich begann, die Lage zu verfolgen. Ich versuchte herauszufinden, was vor sich ging, um nicht überrascht zu werden.

Sie wurden mehrmals selbst mit dem Tod bedroht.
Manche Leute werden nicht mit dem Tod bedroht und sterben trotzdem. Richtig? Weißt du, ich habe über all das nachgedacht. Die Drohungen, das Sterben, all das. Und ich möchte nicht, dass mein letzter Gedanke ist: ‘Ich hätte etwas sagen sollen.’ Die Vorstellung, meinen Mund zu halten und das im Sterben zu denken, ist grauenhaft.

RAM – Fey (Anfang der Neunziger Jahre von der haitianischen Regierung verboten)

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Warum haben Sie sich so ein gefährliches Land zum Leben ausgesucht?
Ich bin nicht wegen der Politik in Haiti, sondern weil ich Voodoo-Rhythmen mag. Ich bin in Haiti, weil ich Musiker bin. Und ich habe ein Recht, in Haiti zu sein. Es ist das Land meiner Mutter. Und wenn ich dieses Recht habe, heißt das auch, dass ich Forderungen stellen kann. Und eine dieser Forderungen lautet Gerechtigkeit. Ich fordere Gerechtigkeit, und genauso solltest du in Deutschland Gerechtigkeit fordern.

Sie sind in Puerto Rico geboren und in den USA aufgewachsen. Wie haben Sie es geschafft, von den Haitianern ernst genommen zu werden?
Meine Mutter ist Haitianerin. Ich habe mich sehr tiefgehend mit der haitianischen Kultur beschäftigt. Und ich habe über die Jahre an meinen Überzeugungen festgehalten. Ich werde oft angegriffen, weil die Linken meinen, ich sei nicht links genug und die Rechten meinen, ich sei nicht rechts genug. Aber ich habe mich nie für eine Seite entschieden, sondern immer nur meine Meinung gehabt. Ich wollte immer nur den Haitianern helfen, irgendwo hin zu kommen.

Musik von Richard Morse’ Mutter Emerante de Pradines – Legba Na Consolé

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Was war ihr bester Moment seit dem Erdbeben?
Ich hatte großes Glück. Meine Frau lebt, meine Kinder leben, meine Mutter lebt, meine Angestellten leben, meine Musiker leben.

Finden Sie, die Journalisten vor Ort haben korrekt über das Erdbeben berichtet?
Sie waren sehr gut zu Haiti. Früher haben Sie sich immer über den Service in meinem Hotel beschwert. Und keiner beschwerte sich, als ich nach dem Beben mit einem Eimer Trinkwasser ankam. (lacht) Nein, ich glaube, die Journalisten waren sehr mitgenommen. Ich habe seit 25 Jahren Medien in meinem Hotel. Ich kenne die Leute inzwischen. Von Coups, von Wahlen, von Hurrikanen.

Mögen Sie Journalisten?
Sie werden immer irrelevanter. Wegen Twitter, wegen Blogs. Aber sie mieten Hotelzimmer. Also mag ich sie nach wie vor. (lacht)

Ein Tweet, der um die Welt ging: Richard Morse' erste Meldung nach dem Erdbeben (Quelle: Twitter)

Wie geht’s ihrem Hotel derzeit?
Wir überleben. Wir waren viele Jahre lang in der Red Zone, das bedeutete, UNO-Mitarbeitern, Diplomaten und sämtlichen Mitarbeitern internationaler Organisationen war es verboten, in unserem Hotel zu übernachten. Ist natürlich schwierig, wenn die einzigen Fremden, die überhaupt im Land sind, nicht in dein Hotel kommen dürfen. Zeitweise dürften sie noch nicht einmal das Gebäude betreten.

Ist das vorbei?
Das Erdbeben hat das alles verändert.

Wie hat ausgerechnet ihr uraltes Gemäuer das Erdbeben überstanden?
Es tanzte. Das Hotel ist Tanzen gewohnt, also tanzte es. Es bewegte sich mit der Erde, anstatt dagegen zu kämpfen. Die Ziegel- und Holzkonstruktionen hielten stand. Aber ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich vemute, weil wir viel beten, aber ich weiß es nicht.

Sie twitterten, Sie seien in ihrem Zimmer “gesurft”.
Ja, ich versuchte, meinen Fernseher zu retten, ich habe nicht kapiert, was los war. Der Fernseher bewegte sich auf mich zu, dann wieder von mir weg, und ich surfte. Es brauchte 15 Sekunden heftigster Schwankungen, bis ich begriff, dass das ein Erdbeben war. Und weil es nicht aufhörte, fragte ich mich: ‘Ist das das Ende der Welt?’ Ich dachte, es wäre das Ende. Das Ende von allem. Die Apokalypse.

Ein Kometeneinschlag?
Nein, ich dachte, die Welt fällt auseinander. Und ich verbrachte die Zeit damit, meinen Fernseher zu retten. Ich verstehe immer noch nicht, warum. Das ist das Ende der Welt, und ich rette meinen Fernseher? Eine Eigenschaft an mir, die ich nicht erklären kann – außer mit der Tatsache, dass ich in den Fünfzigern geboren bin. Und Leute, die in den Fünfzigern geboren wurden, nehmen ihren Fernseher sehr ernst. (macht eine lange Pause, lacht)

Aber Sie sind doch rausgerannt, um ihre Frau und Kinder zu retten, oder nicht?
Nicht bevor das Erdbeben vorbei war. Ich verbrachte die ganze Zeit damit, meinen Fernseher zu fangen. Ich musste mich dafür über einen Tisch beugen, und nur weil ich während des Erdbebens übernatürliche Kräfte entwickelte, gelang es mir, den riesigen Fernseher tatsächlich zu fassen und hochzuheben.

Und dann?
Dann bebte die Erde ein weiteres Mal, und ich ließ den Fernseher fallen. Er durchbrach die gläserne Tischplatte, und die Erde stand still. Und dann bin ich zur Tür rausgerannt. Was ich nach dem Erdbeben sah, ließ mich verstehen, dass ich mich mehr engagieren musste. Ich konnte nicht einfach nur an Twitter und der Huffington Post sitzen und mich über Dinge beschweren. Ich musste mich engagieren, weil ich sah, dass die Leute in führenden Positionen nicht genug taten.

Haitis UN-Hauptquartier nach dem Beben vom 12.1.2010 (Quelle: Wikipedia)

Haitis damaliger Präsident René Préval zeigte sich tagelang nicht…
Das ist der Grund, warum wir ihn loswerden müssen.

Wo war er?
Geld verdienen. Er verdient immer noch Geld. Seine Frau verdient Geld. Seine Freunde verdienen Geld.

Sie haben nach dem Erdbeben in der Huffington Post geschrieben: “Wir können nun entweder zusehen, wie Haiti aus dem Staub aufersteht, oder, wie die Hilfe für Haiti das tut, was sie immer zu tun scheint: Sie fließt in einen gigantischen metaphorischen Magen, um von den Säften der Korruption zersetzt zu werden.” Was bringt Sie dazu zu glauben, mit der neuen Regierung könnte das anders sein?
Wir werden angreifen. Jeden, der korrupt ist. Und ihn zum Gegenstand der öffentlichen, landesweiten Debatte machen.

Ist ein Musiker gut als Präsident für Haiti?
Das kommt auf den Musiker an.

Macht ihr Cousin gute Musik?
Ich war nie ein großer Fan.

Michel “Sweet Micky” Martelly – Karnevalssong 2009

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Lustige Antwort.
Wirklich nicht. Ich begeistere mich für kaum einen Musiker. Ich bin sehr isoliert, sehr alleine.

Als Musiker?
In meinem Leben.

Aber Sie haben eine Frau, Kinder…
Ja, und die Band, und meine Angestellten, aber ich habe keine Freunde. Ich gehe nicht auf Parties. Ich sozialisiere mich nicht. Ich arbeite.

Ihre Kinder besuchen Colleges in den USA und Kanada. Haben sie musikalische Absichten?
Ich hoffe nicht. Es ist ein schrecklicher, sehr schwieriger Beruf. Ich hatte Glück, denn ich liebe, was ich tue.

Die Band teilt sich auf zwei Busse auf, wir fahren wieder quer durch das nächtliche New Orleans, und Richard Morse erzählt von der Stadt und Haiti als “Zwillingsschwestern, die bei der Geburt getrennt wurden.” 1806, kurz nach der haitianischen Revolution, habe die Bevölkerung der Stadt zu fünzig Prozent aus Haitianern bestanden. Napoleon, der Haiti verloren hatte, verkaufte die Region um Louisiana an die Amerikaner. “New Orleans wurde von amerikanischen Eltern adoptiert, Haiti musste alleine klarkommen”, sagt Morse. Die nächsten zwei Stunden verbringt er in einem großen Proberaum, den er für seine Band angemietet hat.

12 Mann und ein Ehepaar: Lunise (li.) und Richard Morse bei der Bandprobe

Als RAM tags darauf beim Festival auftritt, fällt der Strom auf der Bühne aus. Die Wartezeit bewirkt, dass die Band ihren letzten Song spielt, während auf allen anderen zehn Bühnen bereits Feierabend ist. Win Butler und Régine Chassagne, das Frontpärchen von Arcade Fire, stürmen plötzlich auf die Bühne und tanzen mit, man kennt sich aus Haiti. Richard Morse mischt sich unters Publikum, im Sonnenuntergang beginnt eine wilde Polonese. Haiti und New Orleans sind wieder eins, für den Moment.

Tanzkurs mit RAM: Als Richard Morse...

...mit seiner Band das Festival beschließt, mischt er sich in die Menge...

...und löst eine spontane Freudenparade aus.

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